Aleph vs Ariadna

Spielberichte zu Infinity Scharmützeln

Aleph vs Ariadna

Beitragvon Eryndúath » Mo 26. Nov 2012, 20:51

26.11.2012

Letzten Samstag bin ich in meine bald-wieder-Wahlheimat Tübingen gefahren, um Milan zu treffen und gemeinsam dem Hobby zu frönen. Er ist neu im Tabletop, hat allerdings durch diverse P&P- Abenteuer Erfahrung mit D20-Systemen. Ariadna ist die Truppe seines Vertrauens und so wird er mit Schotten, Russen und Franzosen in der nahen Zukunft wohl mein häufigster Gegner... Mitspieler. Gegner sind wir nur bei der Schwertklopperei. :D

Da wir in Tübingen allerdings keinerlei Gelände zur Verfügung hatten, haben wir in den vergangenen Spielen improvisiert. Aus Eierkartons, einer Packung Flips und drei Packungen von Minischockoriegeln entstand nach und nach das Fort Flegg (flips and eggs), das in immer wieder neuer Form heftig umkämpft wurde. Am Samstag also sollte es wieder einmal in den Kampf gehen.
Um die neue Wohnung mit Tisch richtig zu würdigen beschlossen wir auch Fort Flegg optisch ein wenig aufzupolieren. Mit je einer Can Montana Black und White bewaffnet sind wir in den Hof gezogen und haben die einzelnen Teile zunächst schwarz grundiert und dann einfach weiß gehighlighted. Mit dem Ergebnis waren wir mehr als zufrieden. Zwar ist Fort Flegg lange kein professionelles Gelände, aber für ein paar Stunden Arbeit und etwa 15 € hat uns der Tisch sehr gut gefallen und viel Freude bereitet.

Da ich persönlich Battlereports in Berichtsform zwar praktisch zum Lernen finde, selber aber ungerne schreibe, habe ich mich entschieden, die Romanform beizubehalten. Ich hoffe, es sagt euch zu und ihr könnt etwas aus der sehr einseitigen und subjektiven Wahrnehmung der Charaktere mitnehmen.

Hier zunächst einmal die Listen:

Ariadna | 10 models
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Line Kazak - Lieutenant (9|0) [1]
Line Kazak - Rifle (9|0) [2]
Line Kazak - Rifle (9|0) [3]
TankHunter - Autocannon (40|1.5) [4]
Veteran Kazak - AP Rifle (47|0) [5]
Chasseur - Rifle (19|0) [6]
Margot & Duroc - (75|2) [7]
Moblot - HMG (36|1.5) [8]
Volunteer - Chain (6|0) [9]
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250/250 points | 5/5 SWC



Aleph | 10 models
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Deva - Devabot, Lieutenant (26|0) [1 Aleanna]
Deva - Devabot (27|0) [2 Nimué]
Proxy Mk.1 - Hacker (22|0.5) [3 Valeeria]
Proxy Mk.2 - Sniper (29|1.5) [4 Valeeria]
Myrmidon - Chain (16|0) [5 Ares]
Myrmidon - Chain (16|0) [6 Thanatos]
Asura - Spitfire (72|2) [7 Ilithyia]
Zayin Rebot - Monofilament (34|1) [8 Zayin 01]
Netrod - (4|0) [9]
Netrod - (4|0) [10]
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250/250 points | 5/5 SWC


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2 - Ilithyia

Ilithyia lag auf dem flachen Dach eines Bunkers, der die östliche Grenze des Sektors Epsilon Alpha zum Gebiet der Ariadna-Truppen absicherte. Ein Bein über die Kante baumeln lassend, hatte sie die Arme hinter dem Kopf verschränkt und betrachtete den Himmel. Der Multispektralvisor in der Retina der Asura ließ ihn in schillernden Farben erstrahlen. Wolken zogen als dunkelblaue Flecken gemächlich in einem Feld klaren Azurblaus dahin. Schlieren von Grün tanzten, wo sich warme Luftströme mit kalten vermengten. Ein Tanz, der von einem einzelnen Paar übertroffen wurde, den beiden Sonnen Paradisos. In einem glühenden Spektrum von Orange bis hin zu reinem Weiß boten der rote Riese und der weiße Zwerg einen faszinierenden Anblick, wenn die Corona scheinbar im Takt zur Musik aus ihren Knopflautsprechern pulsierte. Sie hatte einen Klassiker aus dem 21. Jahrhundert aufgelegt. Die entspannte Melodie einer akustischen Gitarre wurde begleitet von elektronischen Klängen. Sie dachte über das Leben nach und ob eine künstliche Intelligenz tatsächlich etwas wie Langeweile empfinden konnte.
Devabots gingen mit Flammenwerfern ihrer niemals endenden Aufgabe nach, die eilig errichteten Verteidigungsanlagen aus Stahlbeton von den stets wuchernden Pflanzen Paradisos zu befreien. Ein paar Meter nördlich unterhielt sich Aleanna mit der Posthumanen Valeeria. In den nächsten Stunden sollten weitere Netrods zur Überwachung des Gebiets nahe der Grenze abgeworfen werden. Im Süden scheuchte Nimué einen weiteren Devabot herum. Die Myrmidonen Ares und Thanatos standen lachend beieinander. Sie entstammten derselben Generation wie Ilithyia und sie wusste, wann immer die beiden derart breitschultrig und mit durchgestrecktem Kreuz wie die Hähne herumstolzierten, versuchten sie irgendeine Frau zu beeindrucken. Sie spähte über die Pylonen, welche die Grenze des Gebietes markierten. Dort drückten sich einige Gestalten in den Schatten der Betonmauern herum. Es war beinahe lächerlich. Im Bestreben dem Nachbarn auf keinen Fall eine Schwäche einzugestehen, waren die Reihen der Bunker bis auf 30 Meter aneinander herangewachsen. Die Stimmung war angespannt. Die Offensive der vereinigten Armee hatte die gesamte menschliche Sphäre mit heruntergelassenen Hosen erwischt und jegliche Verteidigung in den Küstengebieten hinfort gefegt. Umso misstrauischer und vorsichtiger waren die verbliebenen Verteidiger.
Ein Schweif zog über den unnatürlich blauen Himmel. Ein Netrod ritt auf orangeroten Flammenzungen heran, bremste kurz vor dem Aufschlag ab und bohrte sich tief in die Erde. Valeeria und Aleanna eilten zur Abwurfstelle, um den Netrod zu konfigurieren. Da schoss bereits ein zweiter heran. Schon als sie das kurze Schlingern bemerkte, wusste sie, dass das Ding abweichen würde. Gewaltig abweichen würde. Sekunden später durchschlug der Netrod einen der Verteidigungswälle auf Seiten der französisch-russischen Truppen.

Mit einem Mal bellte ein schweres Maschinengewehr los. Das abgehackte Tschak Tschak Tschak Tschak Tschak wurde begleitet von kleinen Fontänen aus Asphalt und Dreck, wo die Kugeln eine Linie in den Boden pflügten. Schon hatten sie den ersten Devabot an den Pylonen erreicht. Mit ungeheurer Wucht schlugen panzerbrechende Geschosse in den Rumpf, deformierten den verstärkten Stahl und ließen die Drohne in einem gleißenden Feuerball vergehen. Sekunden später eine zweite Explosion und eine dritte.
Ilithyia rollte sich über die Kante des Bunkers, rutschte die schräge Fläche hinab und griff nach der Spitfire, die sie an die Wand gelehnt hatte. Mit einem gedämpften Ratschen glitt das Magazin in den Schacht. Sie lud bereits durch, als Aleanna mit herrischer Stimme Statusberichte einforderte.

***

"Status, Ilithyia!"
"Vor Bunker 02, auf dem Weg nach drüben und bereit. Das Feuer wurde aus dem mittigen Bunker eröffnet." Auf acht Uhr sah Ilithyia Zayin 01 zu ihr aufschließen. Unterwegs legte die Drohne Monofilament-Minen an den Durchlässen der Verteidigungswälle ab. Ilithyia passierte die Pylonen und betrat damit offiziell feindliches Gebiet. Ihr Visor glitt in die Normalsicht während sie das Gewehr schussbereit an die Schulter presste. Sie hechtete über die wenigen Meter freier Fläche auf den Bunker zu, aus dem die Schüsse gekommen waren. Über das Com meldeten sich in schneller Reihenfolge die restlichen Mitglieder ihres Teams. Ein Flackern am Rande ihrer Sichtfeldes ließ sie herumfahren. Gleichzeitig verstärkte ihr Multispektralvisor die Konturen eines getarnten Tankhunters. Noch bevor dieser seine Autokanone in Position gebracht hatte drückte sie ab. Kein kurzer kontrollierter Feuerstoß. Sie entleerte das halbe Magazin der vollautomatischen Waffe in den gepanzerten Kämpfer. Autokanonen waren im vergangenen Jahrhundert auf Panzern montierte Geschütze gewesen. Die Technologie hatte sie leichter und handlich genug werden lassen, um von Menschen getragen werden zu können, doch sie hatten nichts von ihrer Tödlichkeit verloren. Der Tankhunter sackte an einer mit seinem Blut und Einschusslöchern gesprenkelten Wand zusammen.

Nun kam Bewegung in die feindlichen Linien. Von rechts und links stürmten gegnerische Einheiten heran. Ilithyia sprang über eine der Mauern und kauerte sich hinter dieser zusammen während sie ein neues Magazin nachlud. Im Norden konnte sie das lang gezogene Heulen eines Werwolfes hören. Der schauerliche Laut wurde begleitet von zwei Entladungen glühend heißen Schrappnells aus den Chainrifles des Cameronians, die in seinen Pranken wie Pistolen wirkten. Der abgewichene Netrod verging augenblicklich in diesem Sturm der Zerstörung. Für einen Moment verlor Ilithyia den Wolf hinter den hoch aufragenden Wällen aus den Augen. Doch mehrere explodierende Granaten verrieten dessen Position allzu deutlich. Eine durch zusammengebissene Zähne knurrende Aleanna und ihr kaum unterdrückter Fluch, als ihr Devabot in einem weiteren zum Himmel aufsteigenden Feuerball verging, ließen auch das Ziel dieser Attacken erahnen. Mit einem Mal erwachte das schwere Maschinengewehr im Arsenal von Zayin 01 zum Leben und deckte das Areal in großzügiges Sperrfeuer. Ein erneutes Heulen ließ vermuten, dass der Werwolf zumindest einmal getroffen worden war. Die explodierenden Granaten verstummten für einen Moment.

Ein kurzer prüfender Blick über ihre Deckung hinweg bestätigte ihr, dass alle feindlichen Soldaten sich in ihre Deckung zurückgezogen hatten. Sie beschloss die Gelegenheit zu nutzen, stemmte sich hoch und rannte südlich am tiefer im Feindesland gelegenen Verteidigungswall entlang. Ein russischer Soldat tauchte in einer Lücke auf und legte sofort auf sie an. Seine Reaktion und die entschlossene Miene ließen einen Veteranen vermuten. Sie lächelte, beinahe genoss sie es, auf ebenbürtige Gegner zu treffen. Er schoss zuerst, doch sie antwortete mit deutlich mehr Kugeln. Die Munitionsanzeige an ihrem Gewehr leuchtete in roten Ziffern. Sie hatte erneut unnötig viel Munition verbraucht. Das Resultat sprach allerdings für sich. Weiter am Wall entlang. Ein weiterer Line Kazak verbarg sich hinter einer Biegung. Sie erledigte ihn mit den restlichen im Magazin verbliebenen Patronen.

Über den Asphalt schlitternd rutschte sie erneut in Deckung. Ihr letztes Magazin, langsam sollte sie beginnen, nachhaltiger zu denken. Sie robbte hinter den südlichen der drei Bunker und spähte um die Ecke. Genau in diesem Moment flog das Schott das mittleren Bunkers auf und der Moblot, der mit seinem schweren Maschinengewehr die Devabots des Reinigungstrupps zerstört hatte, stürmte auf den freien Platz und weiter auf die Grenzpylonen zu. Mit hochrotem Kopf schrie er mehr, als dass er schoss. "Putain" nahm in seiner Tirade eine hoch frequentierte Position ein. Zayin 01 deckte das Areal, in dem sich der Cameronian aufhielt weiter großzügig mit Sperrfeuer ein. Einen Großteil seines Gewichtes machte Munition aus. Kurz durchzuckte ein Gefühl der Eifersucht Ilithyia.
So entging ihr zunächst der Chasseur, der sich aus den Schatten löste und auch von ihren Kameraden unbemerkt blieb. Die gedankliche Warnung an ihren Begleiter wurde mit der aus der Tarnung heraus ausgeführten Attacke des Assassinen obsolet. Innerlich seufzte Ilithyia. Die Drohne war ein überaus nützlicher Begleiter, doch aus irgendeinem Grund weckte sie stets ein Übermaß an Aggression bei ihren Kontrahenten. Meist mit dem Resultat, dass sie vollkommen zersiebt auf halbem Wege zurückgelassen werden musste. Doch wie durch ein Wunder fuhr Zayin 01 auf staksigen Beinen aber geschmeidig zu dem Chasseur herum und eröffnete das Feuer. Tödlich getroffen, sackte der Franzose in sich zusammen. Als Ilithyia sich ein erleichtertes Lächeln nicht verkneifen konnte, verging Zayin 01 in einem Kugelhagel. Der Moblot schulterte sein Maschinengewehr und spuckt aus.

Ein tödlicher Fehler, denn nur Sekunden später detonierte zu seinen Füßen eine Rauchgranate. Ilithyia brauchte keinen Multispektralvisor, um zu wissen, dass Ares in diesem Moment seine Klinge durch das Herz des Franzosen treiben würde. Mit einem bedauernden Blick hin zu Zayin 01 rannte sie nach Norden. Nun da sie nicht mehr war, würde der Cameronian jede Sekunde einen neuen Vorstoß wagen. Wieder ein Flackern am Rande ihres Gesichtsfeldes. Das Gewehr schon halb erhoben, machte sie Valeeria aus, die in Mk 2 aus der thermooptischen Tarnung heraus an den Dachrand des genau auf der Grenze stehenden Wachturmes kroch. Sie spähte kurz durch ihre Zieloptik, schüttelte dann in Ilithyias Richtung den Kopf. Der Werwolf blieb offenbar noch in Deckung. Einen Moment später aktivierte Valeeria eine Lasereinheit an der Zieloptik. Spielerisch ließ sie den roten Punkt an der Stelle tanzen, an der der Kopf des Cameronians vermutlich aus der Deckung hervorragen würde, wenn er seinem Trieb zu töten schließlich doch nachgab. Valeeria brauchte den Laser keinesfalls um zu zielen, aber der tanzende rote Punkt hatte erwiesenermaßen eine gewaltige psychologische Wirkung auf jene, über deren Köpfen er hinwegtanzte. Valeeria zunickend beschleunigte Ilithyia ihre Schritte und rannte nach Norden, im Süden nur Tote hinterlassend.

Die Ariadner mussten Befehl zum Rückzug erhalten haben, denn fast gleichzeitig lösten sich mehrere Gestalten aus der schützenden Deckung. Ein Line Kazak bog fast unmittelbar vor ihr um die Ecke, wild nach hinten feuernd. Ihre Rüstung fing die Kugeln ab, dennoch keuchte sie, als sie mehrere Treffer in Brust- und Bauchbereich kassierte. Der Preis für Unachtsamkeit. Die blauen Flecken würden ihr mit Sicherheit den Spott Ares' und Thanatos' einbringen, die sie stets damit aufzogen, dass ein ehrenhafter Kampf ohnehin nur auf Armeslänge ausgefochten würde. Mit verkniffener Miene streckte sie den Flüchtenden nieder. Ein Schuss in den Rücken. Ebenfalls nicht sehr ehrenvoll. Ein weiterer Line Kazak floh vor ihr. Er passierte Valeerias Schussfeld, doch die blieb auf den Cameronian fixiert. Als er sah, dass sein Kamerad mit heiler Haut davon gekommen war, folgte dem Flüchtenden mit wehendem Kilt ein Kerl mit langem wallend roten Haar - den Mittelfinger in eindeutig provokanter Manier gen Valeeria erhoben. Nun löste sich auch eine junge Frau aus der Deckung, die den Werwolf verbarg. Als Ilithyia das rote Kopftuch bemerkte, musste sie in Erinnerung einen alten Märchens unwillkürlich grinsen. Rotkäppchen und der große böse Wolf. Nun, Märchen konnten Ilithyia nicht schrecken und noch weniger Valeeria, die gnadenlos abdrückte, als die junge Frau für den Bruchteil einer Sekunde den tanzenden roten Punkt passierte.
Mit einem neuerlichen Aufheulen, in dem sowohl Schmerz als auch Wut mitschwangen, sprang der Werwolf aus seiner Deckung hervor und auf die Mauer zu, hinter der sich Aleanna und der Mk1-Körper Valeerias verbargen. Darauf hatte Ilithyia gewartet, ihre Spitfire erwachte brüllend zum Leben, hinter ihr sandte Valeeria zwei Geschosse auf den Weg. Selbst Ares zückte seine Pistole. Gebrochen fiel der Cameronian vornüber, noch bevor seine Tatzen den Boden erreicht hatten.
Ilithyia atmete erleichtert aus. Bei aller Liebe, die sie für die Aufregung des Kampfes empfand, war dieser Gegner doch ein furchteinflößender. Ein flüchtiger Blick auf die Munitionsanzeige ihres Gewehrs verriet, dass sie nicht eine Kugel übrig hatte. Wirklich, sie sollte nachhaltiger vorgehen. Lächelnd wandte sie sich zu Valeeria um, die plötzlich ihr Gewehr hob. Im selben Moment durchschlug eine einzelne Kugel ihren Rückenpanzer. Die subdermalen Panzerplatten hielten die Kugel auf, dennoch riss die Kugel sie herum wie eine Puppe, deren Fäden man durchtrennt hatte. In einer Pirouette stürzte sie zu Boden. Schwer atmend am Boden liegend schob sie ihr Gewehr in Richtung eines Line Kazaks, der als letzter das Schlachtfeld verließ. Während ihre Spitfire wieder und wieder leer klickte, musste sie dem Kerl doch Anerkennung zollen. Er hatte Schneid. Der Orden an seinem Kragen wies ihn als hohen Militär der Ariadner aus. Offenbar der Befehlshabendende, der den Rückzug seiner verbliebenen Männer deckte. Sie hustete, ihr Rücken schmerzte fürchterlich. Ihr Blick begegnetet dem seinen. Klare blaue Augen, die sie an den Himmel erinnerten, erkundeten ihre Seele. Weder Hass noch Reue lagen in diesem Blick, als er anlegte. Ein roter Punkt tanzte über seinem Herzen.
Der Schuss, der sich löste, streckte den alten Mann nieder.

***

Ilithyia blieb auf dem warmen Asphalt liegen und verschränkte die Arme hinter dem Kopf. Ihr Rücken schmerzte, doch sie betrachtete den Himmel. Azurblaue Augen schoben sich in ihrem Geiste vor den Himmel. Sie war Ilithyia, ein Splitter der unendlich komplexen Persönlichkeit Alephs, der geschaffen worden war um der Menschheit zu dienen und sie zu beschützen. Es war absurd Menschen zu töten, um das eigene Leben zu bewahren, starben sie doch endgültig, während ihre eigene Persönlichkeit schon bald in einem neuen Körper wiedergeboren würde. Die Menschen waren einzigartig in ihrer Kreativität und Lebensfreude, doch zu ihrem Leid auch in ihrer Aggressivität. Aleph würde die Menschheit beschützen, zur Not auch vor sich selbst. Für dieses Ziel war kein Preis zu hoch, auch nicht die Leben all ihrer Kameraden.
Und doch war sie Valeeria dankbar, dass sie abgedrückt hatte, um ihr das Leben zu bewahren.










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Ich bedanke mich an erster Stelle bei Milan für ein sehr unterhaltsames und schönes Spiel. Allein der erste Spielzug hat 2 Stunden gedauert, da wir beide viel überlegt und diskutiert haben.
Mir persönlich fiel es zum ersten Mal schwer, gravierende Fehler auszumachen. Es hat sich allerdings einmal mehr gezeigt, dass nur Übung den Meister macht. So hat Milan mich mit seinen spekulativ geworfenen Granaten gänzlich auf dem falschen Fuße erwischt. Auch die Flexibilität von Luftlandetruppen habe ich unterschätzt. So haben mich vermutlich nur die Monofilament-Minen davor bewahrt, von dem über den Spielfeldrand kommenden Mirage-Team zerfetzt zu werden.

Auch Milan muss sich nichts vorwerfen lassen. Dass sein Tankhunter schon im ersten Spielzug starb lag lediglich an dem nur etwa 30 Zoll tiefen Tisch und dem Umstand, dass ich die Asura zurückgehalten hatte. Hätte der Tankhunter überlebt und sein Chasseur nicht so unglücklich meine Zayin-Drohne verfehlt, wäre das Spiel noch einmal völlig offen gewesen.

Zur Liste muss ich sagen, dass die Asura mit Spitfire in den meisten Standardsituationen sehr sehr stark ist. Sie hat Schwächen und reißt, mit einem ADHL oder EMP lahmgelegt, ein großes Loch in die Liste, entscheidet aber die deutlich häufiger vorkommenden Beschuss-Duelle souverän für sich.
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Eryndúath
 
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Re: Aleph vs Ariadna

Beitragvon Eryndúath » Do 18. Jul 2013, 20:19

Nach langer, studientechnisch bedingter, Abstinenz vom Hobby haben Milan und ich es vergangenes Wochenende erneut an den Spieltisch geschafft und ein wenig die Würfel rollen lassen. Erstmals haben wir kampagnentaugliche Listen getestet und aufgrund der hohen Punktzahl sogar 2 Tage für das Spiel gebraucht. Das Wochenende war also gerettet. :D

Um das Spiel und das angenehme Wochenende zu ehren habe ich beschlossen, einen Spielbericht zu schreiben. Diesen möchte ich hier mit euch teilen. Ich warne euch aber vor: es ist mehr das Produkt meines Kopfkinos während des Spiels als ein nachvollziehbarer technischer Bericht, den man analysieren könnte. Es ist eine Geschichte, die den Charakteren Leben einhaucht. Nicht mehr aber auch nicht weniger. Für jeden, der sich entscheiden sollte, dennoch weiter zu lesen, habe ich ein paar Bilder eingefügt, um die Szenerie auf dem Tisch etwas zu verdeutlichen. ;)

Die Mission war einfach gehalten. Sechs Marker auf dem Spielfeld mussten von Ingenieuren/Hackern eingesammelt werden (1 Siegespunkt pro Marker) und konnten dann von Hackern auf dem Tisch hochgeladen werden (1 weiterer Siegespunkt). Aleph hatte ein offensichtliches Interesse, die Cubes seiner Agenten zu bergen. Aber auch die Truppen der Ariadna waren hinter ihnen her. Zum einen um Gefangene zu nehmen, zum anderen wurde bei jedem Marker gewürfelt, ob es sich nicht vielleicht um den vermissen William Wallace handeln könnte (der 2 Punkte wert gewesen wäre).

Nun bleibt mir nur noch, euch viel Spaß mit der Geschichte zu wünschen. Kritik und Kommentare sind gerne gesehen. Lasst es mich wissen, wenn es euch gefallen hat. Zwar schreibe ich diese Kurzgeschichten primär zum eigenen Vergnügen, aber die Motivation, sie auch zu posten steigt mit zunehmender Resonanz doch enorm. :)



ALEPH 5.5 SWC | 300 Points
──────────────────────────────────────────────────
GROUP 1 (Regular: 7/Irregular: 0):
[1] Aleanna - DEVA Lieutenant (G: Synchronized) Combi Rifle, Nanopulser + Devabot / Pistol, Knife. (26)
[1.1] DEVABOT Heavy Flamethrower / Electric Pulse.
[2] Nimué - DEVA (G: Synchronized) Combi Rifle, Nanopulser + Devabot / Pistol, Knife. (27)
[2.1] DEVABOT Heavy Flamethrower / Electric Pulse.
[3] Ilithyia - DEVA (Multispectral Visor L2) Spitfire, Nanopulser / Pistol, Knife. (1 | 34)
[4] Valeeria - PROXY Mk.1 Hacker (Hacking Device) Combi Rifle, Nanopulser / Pistol, Knife. (0.5 | 22)
[5] Valeeria - PROXY Mk.2 MULTI Sniper Rifle, Nanopulser / Pistol, Knife. (1.5 | 29)
[6] Illiena - CHANDRA Hacking Device, Combi Rifle, Nanopulser, Flash Grenades / Pistol, Knife, EXP CCW. (16)
[7] PROBOT (EVO Repeater) Electric Pulse. (0.5 | 13)
[8] NETROD Electric Pulse. (4)

GROUP 2 (Regular: 6/Irregular: 0):
[11] 01 - DAKINI Tacbot HMG / Electric Pulse. (1 | 22)
[12] 02 - DAKINI Tacbot Combi Rifle / Electric Pulse. (13)
[13] 03 - DAKINI Tacbot Combi Rifle / Electric Pulse. (13)
[14] 04 - DAKINI Tacbot Combi Rifle / Electric Pulse. (13)
[15] Zayin 01 - ZAYIN Rebot HMG, Monofilament Mines / Electric Pulse. (1 | 34)
[16] Euphelia - SOPHOTECT Combi Rifle, D-Charges / Pistol, Knife. (31)
[16.1] YUDBOT Electric Pulse. (3)






3 – Illiena, Valeeria & Ilithyia

„Seit Urzeiten fürchten die Menschen den Tod. Ihre Wissenschaft, ihre Leidenschaft, ihre ganze Kultur ist darauf ausgerichtet, dem Ende so lange wie nur möglich zu entgehen. Ihre Errungenschaften in der Medizin, ihr Bemühen, die Spanne ihres Lebens so angenehm wie nur möglich zu gestalten, selbst ihre Religionen dienen einzig dem Zweck, die Angst vor dem Ende zu lindern.
Der Cube ist ihre Antwort.“

Prof. Dr. med. Konstantin Thaylor, University of New Sidney, PanOceania

In gewisser Weise schreckte der Tod auch die Agenten der S.S.S., der Special Situations Section. Sie waren künstliche Wesen. Bis auf die Posthumanen alle von Menschenhand geschaffen, aus Technik geboren. Dennoch besaß jeder Splitter jener gottgleichen künstlichen Intelligenz Aleph eine eigene Persönlichkeit. Sie alle teilten seinen Willen zu leben, eigene Erfahrungen zu sammeln und sich selbst auszudrücken. Aleph existierte um der Menschheit zu dienen und sie zu beschützen. Die Logik verlangte, ein Menschenleben über das eines Agenten zu stellen. Und dennoch analysierte Aleph seit geraumer Zeit eine Frage von unendlicher Komplexität: Konnte es eine Rechtfertigung geben, menschliches Leben auszulöschen, um die eigene Existenz und die Unversehrtheit der Agenten zu bewahren - und so der Menschheit in einem größeren Maßstab zu dienen? Konnte einer menschlichen Existenz eine Qualität zugewiesen werden? Immer wieder sahen sich die Agenten den Aggressionen ihrer Schutzbefohlenen ausgesetzt. Zwar konnten die Persönlichkeiten der Agenten nach der Vernichtung der Lhosts, ihrer künstlichen Körper, in Cubes gespeichert und vom Schlachtfeld geborgen werden, dennoch sah Aleph sich mit wachsenden Verlusten konfrontiert. Besonders jetzt, da die Vereinigte Armee die Verteidigungsanlagen der Menschlichen Sphäre hinwegfegte, stellten von Menschen getötete Agenten unnötige und schmerzhafte Verluste dar. Denn erst diese Agenten, Individuen, die doch Teil eines Ganzen waren, ermöglichten es Aleph wirklich jeden Blickwinkel auf eine Fragestellung einzunehmen und so schließlich die eine einzig wahre Lösung zu bestimmen. Bis Aleph die Lösung für einen bisweilen nötigen Tod seiner Schutzbefohlenen und Schöpfer finden würde, galt für jeden Agenten die Order, das eigene Leben als Akt der Selbstverteidigung zu bewahren, auch wenn dies den Tod einzelner Menschen bedeutete. In einigen Fällen würde dies auch präventive Maßnahmen erfordern.

Illiena warf einen kurzen Blick auf die Uhr an ihrem linken Handgelenk. Im Grunde eine unnötige Geste, denn ihr Verstand war mit dem Planeten umfassenden Kommunikationsnetzwerk Maya verbunden. Sie war sich der Zeit in jedem Moment bewusst. Und dennoch pflegte sie diese Gewohnheit, die Zeit an einem analogen Chronographen abzulesen, als Teil ihrer Persönlichkeit. Diese Eigenheiten machten sie zu etwas besonderem, einem einzigartigen Individuum.
Um 0600 würde ihre Kampftruppe zu einer mechanischen Einheit von Kampfdrohnen stoßen, um für die kommenden Monate eine Einheit zu bilden und in einer groß angelegten Kampagne der Menschlichen Sphäre Paradiso zu befreien. Benannt war diese Einheit nach Artemis, der Göttin der Jagd. Ein guter Name, wie sie fand. Denn sie würden jagen. Sie, und andere Einheiten, wie die ihre, würden in naher Zukunft die Invasion der Vereinigten Armee stoppen und jeden feindlichen Soldaten jagen, finden und zur Strecke bringen. Doch bevor dies geschehen konnte, mussten Vorbereitungen getroffen werden. Ihre erste Mission würde darin bestehen, die Cubes gefallener Agenten in einem, von unidentifizierten Feinden überrannten, Verteidigungsabschnitt der 2nd Offensive-Front Norstralias zu bergen. Sie schnaubte. Selbst schon einige Male wiedergeboren kannte sie das Gefühl, hilflos in der beklemmenden Enge der Körperlosigkeit gefangen zu sein. Sie würde ihre Brüder und Schwestern keine Sekunde länger als nötig warten lassen. Mit der Hand beschattete sie ihre Augen gegen die gerade über den Horizont steigende Sonne und ließ den Blick über ihre eigene Kampftruppe wandern.
Aleanna und Nimué standen über eine holographische Karte gebeugt und diskutierten leise miteinander. Die beiden Devas teilten sich nicht nur den Rang eines Leutnants und damit den Befehl über ihre Einheit. Sie entstammten derselben Generation und schienen sich bisweilen blind zu verstehen. Deutete die eine auf der Karte eine Route an, führte die andere die Geste fließend zu Ende. Nicht weit entfernt, im Schatten eines Bunkers, standen ihre Devabots. Stumme Behüter, deren Treibstofftanks für die schweren Flammenwerfer einen Großteil ihrer Masse ausmachen.
Ilithyia lud ihre Spitfire durch, entnahm das Magazin und ersetzte die in der Kammer verbliebene Kugel. Weitere Magazine beulten ihre Tasche aus. Sie war nicht unbedingt schießwütig. Im Gegenteil, die Kämpferin, die für einen Lhost der Asura-Klasse qualifiziert war, hatte einen ruhigen Charakter, der manchmal fast ins Melancholische abdriftete. Sie ging einfach nur sicher, dass die Toten auch ganz sicher tot waren. Ihrer Meinung nach war ein Magazin Vollmantelgeschosse im Körper ein überzeugender Garant für diesen Zustand. Sie im Körper einer Deva zu sehen, war ungewohnt. Asura-Lhosts waren rar und ihrer beim letzten Scharmützel mit Ariadna-Truppen so stark beschädigt worden, dass Aleanna und Nimué beschlossen hatten, ihr diesen leichter gepanzerten Lhost zuzuteilen. Unnötig zu erwähnen, dass Ilithyia über diesen Umstand wenig glücklich war.
Illiena warf einen Blick auf die Uhr und suchte dann wieder den Horizont im Osten ab. Die Drohnen würden bald eintreffen.
Die letzte im Bunde war Valeeria. Die Posthumane faszinierte sie. Von eher stiller Natur gab sie nur wenig über ihr Leben vor dem Aufstieg preis. Doch Illiena hatte in den letzten Monaten ihr Vertrauen - und mehr als das - gewonnen. Wie sie dasaß und an ihrer EVO-Drohne arbeitete drängte sich das Bild von Unschuld auf. Der Bildschirm ihres Hacking-Tools erwachte und signalisierte die aktive Verbindung zu EVO 01. Illienas Hacking Device erwachte ebenfalls. Im selben Moment erhob sich Valeeria ein paar Meter weiter im Körper der athletischen Scharfschützin. Sie lächelte Illiena an und zeigte nach Osten.
Euphelia traf in diesem Moment mit ihrer mechanischen Kampftruppe ein. Die Sophotect würde in den kommenden Monaten für die technische Unterstützung und medizinische Notfallversorgung ihrer Einheit zuständig sein. An ihrer Seite glitt auf vier Beinen ein Zayin über die Trümmer. Mit seinem schweren Maschinengewehr ließ die Drohne selbst Ilithyia zahm erscheinen, wenn er das Gelände mit Sperrfeuer eindeckte und dabei kiloweise Munition im Sekundentakt verbrauchte.
Hinter den beiden folgten vier Daikini im Gleichschritt. Einer davon mit einem schweren Maschinengewehr bestückt. Vor der aufgehenden Sonne verschwammen ihre Konturen. Ein Effekt der noch durch ihre Tanzvorrichtung verstärkt wurde, was sie zusammen mit ihrer Schnelligkeit zu ausgezeichneten Jägern machte.

Mit einem stummen Befehl in knappen Gesten sandte Euphelia die Drohnen aus, das Gebiet zu erkunden und die Flanken zu sichern. Illiena hob grüßend die Hand. Gemeinsam gesellten sie sich zu Aleanna und Nimué, die auf ihrer Karte einige Symbole für Ariadna-Truppen platziert hatten. Ilithyias Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen.


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1.png (1.03 MiB) 8230-mal betrachtet

[6] Illiena - Chandra Spec Ops, Hacking-Device; [15] Zayin 01 - Rebot, HMG, Monofilamentminen; [3] Ilithyia - Deva, MSV2, Spitfire; [5] Valeeria - Mk2, Multi-Sniperrifle

"Richtig, Ilithyia", setzte Aleanna an, "dieser Bergungsauftrag ist soeben um einiges heikler geworden. Truppen der Ariadner sind keine 500 m von hier im Westen aufgetaucht. Angesichts des katastrophalen Zwischenfalls in Epsilon Alpha und der Tatsache, dass sie schwere Artillerie mit sich führen, ist mit Kampfhandlungen zu rechnen. Wir haben beschlossen, dem vorzubeugen. Valeeria, du wirst ihre Artillerie ausschalten. Das wird Ihnen zu denken geben. Sollten sie sich dann nicht zurückziehen, sind wir autorisiert, das Feuer zu eröffnen."
Valeeria nickte knapp und zog sich zum zentral gelegenen Bunker zurück. MK 1 ging hinter diesem in Deckung und bedeutete EVO 01 ihr zu folgen. MK 2 erklomm die Wand des Bunkers und aktivierte ihre thermo-optische Tarnung.

"Illiena, du wirst so heimlich wie nur möglich vorstoßen und die Cubes bergen. Wenn möglich werden wir einen Konflikt vermeiden. Zayin 01 wird dich begleiten und deinen Rückzug decken, falls etwas schief läuft", Nimué wandte sich an Ilithyia, "Du wirst etwas weiter im Norden vorrücken und das Gebiet erkunden. Achte besonders auf getarnte Einheiten. Beim letzten Mal haben uns ihre Attentäter und Minen stark zugesetzt. Sollte Illiena in Schwierigkeiten geraten, hilfst du Zayin 01 ihren Rückzug zu decken. Der Rest verteilt sich auf die Bunker und hält die Augen offen. Noch Fragen?"
Es gab keine Fragen. Der Plan war einfach und Illiena blickte in entschlossene Gesichter. Sie würden an diesem Tag so viele Agenten wie nur möglich bergen.

***

Valeeria verfolgte, wie Illiena gebückt nach Westen lief und dabei jede Deckung nutzte, die sich ihr bot. Zayin 01 folgte ihr und legte dabei getarnte Minen aus. Sie hob das Präzisionsgewehr etwas an und prüfte durch die Zieloptik den Weg, den Illiena vermutlich einschlagen würde. Bisher schien alles ruhig. Ein dumpfes Knattern ertönte und kurz darauf zerriss eine Explosion die Stille. Sie schwenkte das Gewehr herum. Die Zieloptik fokussierte Ilithyia, die keine Zeit verlor und erneut das Feuer eröffnete. Getroffen stürzte ein getarnter Assassine zu Boden. Erst die Bewegung verriet seine Position.
"So viel zum Thema ‚heimliches Vorrücken‘", meldete sich Ilithyia, "die Ariadner wissen über unsere Anwesenheit Bescheid."
"Artillerie auf 12 Uhr", meldete sich Illiena fast gleichzeitig.
Valeeria schwenkte das Gewehr wieder nach links, suchte einen Moment das Gelände ab und nahm den Traktor Mull ins Visier. Sie schoss und der Traktor Mull blieb stehen. Die Kugel würde den Motor vermutlich glatt durchschlagen haben. Eine Kugel reichte. Sie teilte nicht Ilithyias Vorliebe für spektakuläre Vernichtung. Einige Sekunden später durchschlugen ein Dutzend Kugeln die Panzerung der Artillerie wie Papier. Zayin 01 zog sich schießend in Deckung zurück.

Noch während er sich zurückzog, explodierte Zayin 01 in einem gleißenden Feuerball. Ein Tankhunter hechtete zurück in seine Deckung, bevor Valeeria etwas hätte unternehmen können. Dafür bot sich ihr nun ein neues Ziel. Mit gutturalem Gebrüll setzte einer der Werwölfe über Panzersperren und Schutthaufen hinweg. Hinter ihm rannte eine Frau. Valeeria meinte, ein rotes Kopftuch aufblitzen zu sehen. Den beiden schlug eine Wand aus Kugeln entgegen, doch aufhalten ließen sie sich nicht. Der Wolf warf eine Serie von Rauchgranaten, um seinen Vorstoß zu decken. Dazwischen blitzen immer wieder Impulse grellen Lichtes auf, wenn Illiena ihre Blendgranaten zum Einsatz brachte. Dann erhellte ein Strahl glühenden Schrapnells die Szene und Illiena schrie schmerzerfüllt auf. Als der Rauch sich für eine Sekunde verzog, konnte sie Illiena blutend an einer Mauer zusammengesunken liegen sehen. Valeerias Schrei stand dem ihrer Vertrauten an Pein in nichts nach. Tränen liefen ihr über die Wangen und ließen ihre Sicht verschwimmen, als sie wieder und wieder in den Rauch feuerte. Noch einmal erhellte glühendes Schrappnell den Morgen, als der Wolf seine Waffen gegen den südlich gelegenen Bunker richtete. In ihrem Bewusstsein erloschen Nimués Präsenz und Euphelias Yudbot. Dann endlich hatte sie freies Schussfeld. Der Wolf tauchte aus dem Nebel auf und fiel, als ihn Valeerias und Ilithyias Kugeln durchsiebten. Als der Rauch sich legte, lagen Illiena, die Frau mit dem roten Kopftuch, der Wolf und Nimué reglos am Boden.

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Valeeria schloss die Augen und öffnete sie mit MK 1. Augenblicklich rannte sie zu dem Bunker, um nach den Gefallenen zu sehen. Aus dem Augenwinkel sah sie Euphelia im Nordosten über das Schlachtfeld rennen. Sie kauerte zweimal an den zerstörten Lhosts gefallener Agenten nieder und ging dann wieder hinter einer Mauer in Deckung. Keiner schien sie bemerkt zu haben. Im Bunker angekommen erkannte Valeeria, dass jede Hilfe für Nimué zu spät kommen würde. Sie barg ihren Cube und nahm ihr das Gewehr aus den Händen. Dann entleerte sie das Magazin in den Werwolf. Euphelia meldete sich über das Com und übertrug ihr die Daten aus den Cubes. Valeeria wischte eine Träne fort, die sich ihre Wange herabgeschlichen hatte. Dann übertrug sie die Persönlichkeiten der Agenten an Aleph. Irgendwo auf dem Schlachtfeld versuchte ein Hacker erfolglos den Upload zu unterbrechen. Noch während die Daten hochgeladen wurden, verschanzte sie sich an einer Schießscharte und kehrte zurück in MK 2, um sich zu tarnen. Jetzt wo so viel Blut geflossen war, hatte alle Heimlichkeit ein Ende gefunden. Nun würde es die Menschen nach mehr Blut und Vergeltung verlangen.
Der Tankhunter huschte kurz durch ihr Gesichtsfeld und schien dann den Wachturm im Süden auf der rückwärtigen Seite erklimmen zu wollen. Kurze Zeit später hechtete ein Soldat mit einer Sanitäter-Binde am Arm zu der Stelle, wo sie den Tankhunter aus den Augen verloren hatte. Sie justierte die Zieloptik, doch hinter dem Turm blieb es still.
Die Pause in den Kampfhandlungen nutzend, rannte Euphelia weiter über das Schlachtfeld Richtung Süden, um nach der gefallenen Illiena zu sehen.
"Ich bin okay, Euphelia, lass gut sein und kümmere dich um Nimué", meldete sich Illiena schwach über Com.
"Nimués Lhost wurde vollständig zerstört", entgegnete Aleanna, "lass dich versorgen und zieh dich zurück zum Bunker."
"Negativ, Leutnant. Ich bin einsatzfähig. Geh du, Euphelia, ich werde deinen Rückzug decken."

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Valeeria konnte die Sophotect nicken sehen, als sie sich erhob und zurück zum Bunker rannte. Dort kümmerte sie sich anscheinend um ihren Yudbot, dessen Bereitschaftsanzeige im HUD von rot zu einem grünen "aktiv" wechselte und wieder eine wahrnehmbare Präsenz in ihrem Verstand wurde.
Der Tankhunter erklomm das Dach des Wachturmes und brachte seine Autokanone in Stellung. Augenblicklich belegten Illiena und 01 mit seinem Maschinengewehr die Position mit Sperrfeuer.

***

Ilithyia pirschte vorwärts. An Panzersperren vorbei, rückte sie nach Westen vor. Vor einem Panzerwrack hatte sie, halb im Schutt vergraben, die Leiche eines Agenten ausgemacht. Die Ariadner konzentrierten sich auf den Schusswechsel mit Illiena und Valeeria. Der nördliche Weg jedenfalls schien frei zu sein. Eine Fehleinschätzung, wie das plötzlich einsetzende kleinkalibrige Feuer deutlich machte. Einen Lidschlag später taumelte sie getroffen zurück. Schritte. Ihre Sicht verschwamm. Die darauf folgenden Schüsse klangen seltsam gedämpft. Hinter dem Panzerwrack konnte sie einen Line Kazak ausmachen. Sie schoss vage in seine Richtung, erneut schlugen Kugeln in ihre Brust ein. Dann umfing sie Dunkelheit.

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***

Valeeria glaubte in der Ferne einen Dozer ausmachen zu können, der sich über einen gefallenen Agenten beugte. Sekunden später bearbeitete Illiena ihr Hacking Device. Fluchend schnappte sich die Spec Ops ihr Kombigewehr und hechtete an dem Wachturm vorbei. Mündungsfeuer blitzte hinter dem Turm hervor.
"Ich weiß nicht, was sie vorhaben, aber gerade hätte einer ihrer Hacker fast das Backup eines unserer Agenten in ein mir unbekanntes Netzwerk hochgeladen."
"Bitte bestätigen", erklang Aleannas Stimme im Com, "Sie haben den Cube eines Agenten geborgen?"
"Positiv. Und hätte ich den Kerl nicht erschossen, wäre es ihnen auch gelungen ihn hochzuladen."
"Befehl an alle Stellungen, deckt Illienas Position. Ich will konzentriertes Sperrfeuer auf diesem Wachturm sehen. Haltet den Tankhunter in Deckung, während Illiena den Cube birgt."

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Nun kam Bewegung in die Reihen des Feindes. Mehrere Truppen verließen die Bunker und rückten auf den Wachturm vor. Der Tankhunter brachte, trotz des Sperrfeuers, seine Autokanone in Stellung und bombardierte den nördlichen Bunker, aus dem ihm das Sperrfeuer von 01 entgegenschlug. Selbst der stahlverstärkte Beton konnte der Wucht der einschlagenden Geschosse nicht lange standhalten. Die Statusanzeige von 01 erlosch in Valeerias HUD und 02 meldete kritische Schäden. Jemand musste etwas gegen diese Autokanone unternehmen. Valeeria glitt an den Rand des Bunkers, zielte und drückte ab. Hätte der Tankhunter sich nicht in diesem Moment umgewandt, um den Bunker, hinter dem sie sich verbarg unter Beschuss zu nehmen, hätte sie vermutlich getroffen. Die Zeit rann zäh wie Honig. Die Mündung der Autokanone erschien durch ihre Zieloptik zum greifen nahe.

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***

Illiena versuchte gerade die Defensivprotokolle des anderen Spec Ops zu umgehen, um das Back-up eines weiteren Agenten hochzuladen, als eine gewaltige Explosion den Bunker zerriss, hinter dem Valeeria in Deckung gegangen war. Ihrer Kehle wollte sich ein Schrei entwinden, doch sie brachte nur ein ohnmächtiges Stöhnen zustande, als Valeeria von einer der explosiven Ladungen erfasst wurde. Das was von ihr noch übrig war, wurde Meter weit nach hinten geschleudert. Nein, dies war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr Valeeria gewesen. Sie weigerte sich zu akzeptieren, dass dieses zerstörte Wesen Valeeria hatte sein sollen.
Ihr Hacking Device flackerte auf und stellte dann den Betrieb ein. Dass der Intel ihre Bemühungen, den Agenten zu retten vereitelt hatte, spielte für sie in diesem Moment keine Rolle mehr.
Aufheulend setzte sie über ihre Deckung hinweg und schoss im Dauerfeuer auf alles, was sich bewegte. Sie wollte diesen Menschen einfach nur die größtmöglichen Schmerzen bereiten. Was hatten die Agenten nur verbrochen, dass diese Leute ihnen ihre Versuche, die Menschheit vor Schaden zu bewahren, mit so viel Hass und Vernichtung vergolten? Ein Veteran Kazak feuerte über eine Mauer hinweg auf sie. Ihr Sturmgewehr klickte leer. Sie warf das Magazin aus und lud noch im Rennen ein frisches nach. Zu ihrem Dauerfeuer gesellte sich 04, der den Wachturm mit einem Hagel aus Kugeln eindeckte. Selbst Euphelia hatte zur Waffe gegriffen und feuerte auf den Turm.
"Einheit Artemis, bereitet euch auf einen geordneten Rückzug vor."
Illiena wusste, dass Aleanna recht hatte. So viele Statusanzeigen waren erloschen. Sie hatten fast sechzig Prozent ihrer Kampfkraft eingebüßt. Und dennoch durfte das hier einfach nicht das Ende sein. Sie lieferte sich weiterhin verbissen ein Duell mit dem Veteran Kazak, als 04 nüchtern einen Abschuss meldete. Sie blickte gerade noch rechtzeitig zurück, um den Tankhunter leblos vom Dach des Wachturmes fallen zu sehen. Die stählerne Panzerung des Elite-Kriegers war an unzähligen Stellen verbeult. Ein Wunder, dass er erst jetzt gefallen war.
Ein sengender Schmerz in ihrer Schulter ließ sie herumfahren. Der Veteran Kazak hatte die Position gewechselt und lief nun auf sie zu. Ein weiteres Mal drohte die Schwärze einer Ohnmacht sie zu umfangen. Sie fiel zu Boden. Sie konnte nur reglos daliegen, und zusehen, wie der Veteran Kazak sein Tempo drosselte. Er ging nun langsam auf sie zu, wechselte das Magazin, wusste, dass er gewonnen hatte. Illiena schloss die Augen, ergab sich der Schwärze.
In diesem Moment detonierte die Monofilament-Mine. Das Leben des Veteranen wurde augenblicklich und vollständig ausgelöscht.

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***

Als Illiena die Augen wieder öffnete, kniete Euphelia über ihr.
"Valeeria?"
Die Heilerin schüttelte nur den Kopf. "Ich konnte nichts mehr für sie tun. Sie ist jetzt in MK 1 und erholt sich von dem Schock."
"Die anderen?"
"Ich werde sehen, was ich tun kann. Ilithyia ist schwer verwundet. Nimué ebenfalls. Die Daikini und Zayin 01 liegen sprichwörtlich in alle Himmelsrichtungen verteilt auf dem Schlachtfeld. Wäre dieser Kerl nicht in die Mine gelaufen, hätten wir euch wohl zurücklassen müssen."
Ein Schlachtfeld. Ja, das war es. Illiena schloss die Augen. Die Ariadner hatten sich zurückgezogen, als der Tankhunter gefallen war. Dennoch war es einem einzelnen Mann gelungen, fast ihre gesamte Einheit auszulöschen. Sie seufzte. Ihre Kameradinnen würden neue Körper erhalten, sofern ihre Wunden nicht heilten. Die Drohnen würden ersetzt werden. Die Geschichtsschreibung würde dies vermutlich als einen Sieg bezeichnen. Schließlich hatten sie einige der Cubes bergen können.

Sie sah auf die Uhr. Das Glas war gesprungen. Es fühlte sich wie ein Patt an.

Und der wahre Sieger war die Vereinigte Armee.





To be continued.
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Eryndúath
 
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